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Nicht kreativ? Wie kreative Textprozesse (doch) funktionieren.

Liebe Leserinnen, liebe Leser des Schreibtipps,

eine neue Idee, ein stimmiger Text, eine überzeugende Headline. Bestimmt kennen Sie das: Wenn der kreative Prozess funktioniert, ist das ein sehr gutes Gefühl.

Aber manchmal stellt sich dieses Gefühl nicht ein oder nicht so schnell, wie wir uns das wünschen, und die Ideen scheinen nichts zu taugen. Und dann ist da schnell der Gedanke da, eben doch nicht kreativ zu sein.

Dabei geht es in kreativen Prozessen vor allem darum, einige Regeln einzuhalten und die beteiligten „Rollen“ zu trennen. Und das sowohl beim Texten im Team als auch allein.

Bei der „Disney-Methode“ sind es 6 Denk-Hüte, die für die verschiedenen Rollen im Kreativitätsprozess stehen. Im Textprozess sind es aus meiner Sicht vor allem drei Persönlichkeiten, die es auseinander zu halten gilt: der planender Konzeptioner, der kreative Spielende und der auswählende Kritiker. Um sie geht es in diesem Schreibtipp.


Konzeptioner, Kreativer, Kritiker: Es darf immer nur einer  – und schön der Reihe nach:

1. Die Vorbereitung: der Konzeptioner

Vor dem Texten steht das Briefing. In der Konzeptionsphase sammeln Sie die Fakten: Für wen ist der Text bestimmt? Was sind Kommunikationsbotschaft und Zielsetzung? Umso klarer Sie in dieser Phase sind, desto leichter wird Ihrem inneren Kreativen später die Umsetzung fallen. In dieser Phase geht es um Prägnanz, aber nicht um „schöne“ Formulierungen. Bloß „griffig“ – das sollten sie sein.

2. Das Spielen: der Kreative

Nachdem Sie wissen, wo der Weg hingehen soll: Jetzt können Sie fabulieren, adaptieren, variieren – und kreieren. Brainstorming, Brainwriting, Brainwalking oder andere Kreativitätsmethoden: In dieser Phase geht es um Quantität. Ob für eine ganze Kampagne, einen einzelnen Text oder eine Headline: Umso mehr Ideen, desto besser.

3. Auswahl und Bewertung: der Kritiker

Jetzt darf er! Und Sie werden merken: Wenn der Kritiker nur dann dran ist, wenn er soll, werden Sie ihn gleich viel lieber mögen. Lassen Sie Ihren Kritiker die Ideen aussieben, Punkte vergeben, Kriterien anwenden. Und lassen Sie ihn die Ideen auch abgleichen mit dem Briefing: Welche Idee erfüllt die Kriterien am besten? Ist schon das Richtige dabei oder braucht es eine weitere kreative Runde auf der Basis der bisherigen Ideen?

4. Bei Bedarf: Wieder neu ansetzen

Die perfekte Lösung war noch nicht dabei? Bleiben Sie entspannt. Manchmal merken wir eben erst nach dem Loslegen, dass das Briefing noch nicht klar genug war und nachgeschärft werden muss. Wichtig ist nur, dann bewusst zurück in die Konzeption zu wechseln oder (wenn das Briefing stimmt, aber die Ergebnisse noch nicht) in eine weitere kreative Phase, in der es wieder um Quantität geht.

Der bewusste Rollen- oder Phasenwechsel hilft viel dabei, in kreativen Prozessen entspannter zu bleiben und damit zu besseren Ergebnissen zu kommen. Wer in der kreativen Phase sofort auf die eine geniale Idee hofft, wird oft enttäuscht sein – und dann (siehe oben) von sich glauben, er oder sie sei nicht kreativ.

Die kritischen Stimmen mischen sich gern schon zu früh ein – aus Zeitdruck oder Langeweile, weil sie nicht in die Pause geschickt wurden oder weil sie sowieso alles besser wissen. Egal ob allein oder zu mehreren: Stoppen Sie energisch! (innere) Kommentare wie „Die Idee taugt nichts“ oder „Das hat bisher auch nicht funktioniert“ haben hier nichts zu suchen. Das heißt nicht, dass in kreativen Prozessen nicht bewertet oder ausgewählt wird. Auf jeden Fall geht es um die bestmögliche aller Textideen. Aber über sie entschieden wird erst, wenn die Auswahl dran ist.

Die gute Nachricht: Kreatives Potenzial nimmt nicht ab, sondern zu, je öfter Sie es einsetzen. Denn Kreativität entsteht aus Erfahrung und Mut und beides wächst mit jedem Mal, das Sie sich bewusst auf diesen Prozess einlassen. Ob Konzeptioner, Kreativer oder Kritiker: die verschiedenen "Persönlichkeiten" wachsen mit ihren Aufgaben – wenn sie zum richtigen Zeitpunkt und allein! dran sind.

Dabei viel Freude und gute Ergebnisse wünscht Ihnen

 

 

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