Mit der Anmeldung erklären Sie sich mit dem Empfang des Newsletters einverstanden. In der Datenschutzerklärung finden Sie Einzelheiten. Sie können sich jederzeit abmelden, jede Ausgabe enthält den Abmeldelink.


Smileys in E-Mails - praktisch, sinnvoll oder besser nicht?

Liebe Leserinnen und Leser des Schreibtipps,

sind Emojis – oder Emoticons oder Smileys – erlaubt in geschäftlichen E-Mails? Eine Frage, die ich häufig höre in meinen Workshops.

Mit dem "Erlaubt sein" ist es allerdings so eine Sache. Anders als in der Korrespondenz früherer Jahrzehnte (und Jahrhunderte) gibt es nicht mehr so viele allgemeingültige Regeln. Denn: DIN 5008 trifft auf Corporate Language.

Zudem laufen Trends zunehmend aneinander vorbei. Was für das eine Unternehmen gerade sehr neu – und innovativ – ist, davon haben sich andere schon wieder verabschiedet – und sind auf den nächsten Zug aufgesprungen.

Also (einmal wieder): Es kommt darauf an. Deshalb habe ich Ihnen in diesem Schreibtipp einige Kriterien zusammengestellt, um über das Für und Wider von Emojis und Emoticons in E-Mails zu entscheiden. Sowohl wenn es nur um Ihre eigene nächste Nachricht geht als auch bei der E-Mail-Kultur fürs Unternehmen.


Ja oder Nein? Gesichtspunkte für den Einsatz von Emoticons und Emojis in E-Mails:


1. Der Empfänger

Ist die E-Mail intern oder extern? Danach unterscheiden viele beim Einsatz von ;-) oder :-).

Aber auch intern können Sie an jemanden schreiben, dem Sie noch nie begegnet sind und der viele Abteilungen entfernt „sitzt". Und auch extern schreiben Sie an Menschen, die Ihnen schon eine ganze Weile vertraut sind und mit denen Sie schon viele Nachrichten gewechselt haben.

Es scheint also eher darum zu gehen, wie verbunden wir uns dem anderen fühlen und davon ausgehen können, dass er auch ein Smiley richtig einordnen kann. Nicht als respektlos ihm oder lieblos der Sache gegenüber, sondern als Zeichen unserer „freundlichen" Verbindung. Und das wiederum geht eben leichter, wenn man sich schon ein wenig kennt.

 

2. Die Sache

Ein negatives Thema mit Smileys auflockern - geht das? Eine der wenigen Studien, die es zum Einsatz von Emoticons in geschäftlichen E-Mails schon gibt, geht genau auf diese Frage ein.

Prof. Dr. Claus-Peter H. Ernst und Martin Huschens untersuchten für die Frankfurt University of Applied Sciences, wie der Einsatz der Emoticons :-), :-( und ;-) sich auswirkt in der Kritik-Mail eines Vorgesetzten an einen Praktikanten/eine Praktikantin.

Das Ergebnis: Positive und ironische Emoticons schwächten die negative Wirkung der E-Mail ab. Das negative Emoticon hatte keinen Einfluss auf die Wirkung der ohnehin schon kritische Nachricht: https://idw-online.de/de/news688361

Ausgangspunkte der Studie waren der Ansatz, dass non-verbale Ausdrücke über Gestik und Mimik in E-Mails nicht möglich sind, und die Frage, ob Emoticons das gegebenenfalls leisten könnten.

Auch Sprache in ihrer ganzen Vielfalt kann allerdings kritische Punkte ansprechen und positiv auflösen. Ob sehr vereinfachte Bild-Zeichen das besser vermögen als eine entsprechende Formulierung, ist so noch nicht entschieden.

 

3. Das Kommunikationsziel

Interne Korrespondenz oder Marketing-Kommunikation – Emojis und Emoticons werden in sehr unterschiedlichen Mails eingesetzt. Und damit können sie auch sehr unterschiedlichen Zwecken dienen.

Wenn ich meinen E-Mail-Eingang des letzten Jahres durchschaue, fällt auf: Wer in direkten E-Mails Emoticons einsetzt, tut das meistens im ersten und im letzten Satz. Also genau dort, wo auch sprachlich am meisten gelächelt wird. Bei "Schön, mal wieder von Ihnen zu hören :-)". Oder bei "Auf bald :)".  Dann soll das Emoticon die freundliche Wirkung einfach verstärken.

;-) dagegen wird meistens als eine Art grafisches "Uups",  "Sorry", "Bitte nicht übel nehmen" oder "Nicht ganz so ernst gemeint" eingesetzt. Für Dinge, die doch noch nicht erledigt sind oder auch, wenn ein  Vorschlag einem selbst doch noch etwas gewagt erscheint.

Emoji-Bilder wie Emoji-Bilder wie ☀❄☀ finden sich in meiner Ablage eher bei E-Mailing- und Newsletter-Versendern und das dort dann oft schon in der Betreffzeile. Hier geht es um Aufmerksamkeit. Und die ist mit Bildern in der Betreffzeile einfach höher, selbst dann, wenn wir im zweiten (rationalen) Blick vielleicht zu einem eher kritischen Urteil über deren Einsatz kommen.

Sie merken es schon. Aus meiner Sicht spricht für Emoticons und Emojis nicht, sich es mit ihnen einfach und schnell zu machen. Charme und Herzlichkeit lassen sich auch sprachlich zeigen – und das sollte nicht verloren gehen.

Ein gutes neues Jahr, auch für Ihre Kommunikation und ob mit oder ohne Bild-Zeichen, herzliche Grüße

 

 

 

 

powered by webEdition CMS