Mit dem Schreibtipp des Monats erhalten Sie Anregungen fürs tägliche Texten. Auch als Auffrischung nach dem Seminar.


Was sagt Jessica zu Ihrem Produkt?

 

Liebe Leserinnen und Leser des Schreibtipps,

seit einiger Zeit heißt es im Marketing seltener: Was sagt  Zielgruppe XY zu unserem Produkt? Sondern: Was sagt, Jessica, 28, alleinlebende Kommunikationsfachfrau und Pinterest-Fan dazu?

„Personas" zu definieren und mit ihnen zu arbeiten - das bedeutet, allgemeine Zielgruppendefinitionen zu verengen auf bestimmte Typen. Ein entscheidender Vorteil dabei: Kunden werden dadurch viel besser persönlich vorstellbar.

Mich als Texterin inspiriert, dass es durch diese „neue Nähe" zum Kunden (auch wenn es „nur" bestimmte Typen sind) noch persönlicher zu Texten kommen lässt. Deshalb habe ich Ihnen in diesem Schreibtipp drei Anregungen fürs Texten mit Personas zusammengestellt.

Und wenn Sie im Unternehmen noch nicht mit „Personas" arbeiten? Mit meinen Anregungen können Sie trotzdem arbeiten. Entwickeln Sie dann einfach selbst eine typische Kundin oder einen Kunden für eines Ihrer Produkte. Zum Beispiel anhand der folgenden Punkte: Name, Alter, Familienstand, Wohnsituation, Arbeitsfeld, Interessen, Hobbys. Und visualisieren Sie gern auch dazu. Wie könnte er oder sie aussehen?

 

3 Anregungen fürs Texten mit Jessica, Max & Co.:

1. O-Ton Jessica - Zitate spiegeln

Neben den Merkmalen und Verhaltensweisen von Personas werden in der Regel auch Zitate formuliert. Also: Wie könnten Max oder Jessica sich zu Ihrem Produkt oder Angebot äußern? Lassen Sie sich dafür gern auch von echten Kundenaussagen inspirieren.

Zum Thema Mediennutzung könnte Jessica zum Beispiel sagen: „Ich würde mir gern mehr Zeit zum Zeitunglesen und für Hintergrundberichte nehmen, aber ich bin einfach zu viel unterwegs."

Wenn es dann darum geht, einen Verkaufstext für ein E-Paper zu formulieren, könnten Sie das Zitat in der Überschrift aufgreifen z.B. Für alle, die viel unterwegs sind: Ihre Zeitung kommt mit. Oder Sie steigen direkt mit Jessicas Aussage in Ihren Text ein: "Ich bin einfach zu viel unterwegs", dieser Satz könnte von Ihnen sein? ...

2. Im Gespräch mit ...

Diese Methode kennen Sie schon von mir. Um möglichst nah am Lesenden zu texten, schlage ich vor, sich vor dem Schreiben die Fragen und Einwände zu überlegen, die die Lesenden an Ihren Text haben werden.

Zu diesen Fragen formulieren Sie dann einfach je 2-3 Antwortsätze und stellen daraus anschließend Ihren Text zusammen. Auf solch einer Frageliste stehen zum Beispiel "Warum bekomme ich diese E-Mail?", "Muss ich etwas tun und wenn was?"

Mit der Persona vor Augen wird es noch konkreter, weil Sie die Vorlieben von Jessica oder Max gleich mitdenken. Jessica, mit ihrem wenigen Zeitressourcen, wird die Frage eher so formulieren ...

 

3. Liebe Jessica, ...

Als letztes noch ein ganz einfach umzusetzender Tipp: Für Ihr Näher-am-Kunden-Texten kann es manchmal auch schon genügen, wenn Sie Ihre Angebote, Konzepte oder Online-Texte im ersten Schritt einfach direkt an Jessica oder Max adressieren. Also einfach mit „Lieber Max ..." oder „Hallo Jessica ...", ins Schreiben starten. Und wenn Sie dann noch das gezeichnete Bild Ihrer Persona vor Augen haben, kann das noch leichter gelingen.


Trotz aller Typisierung bietet das Texten mit Personas aus meiner Sicht gute Möglichkeiten, den eigenen Kunden etwas näherzurücken. Und wenn es sich dadurch auch mit den realen Kunden noch mehr ins Gespräch kommen lässt – umso besser.

Eine gute Zeit dabei wünscht